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2025
ausgewählte Arbeiten

Das Arbeiten mit Pflanzenfarben ist 2025 intensiv. Dem Arbeiten mit Kurkuma in Indien, folgen Experimente mit gefundenen Färbepflanzen in Rasa (Tessin) und in der Baumühle (Waldviertel).

 

Aquarell auf Papier (teilweise handgeschöpft), Pflanzenfarben und Tusche, diverse Formate

Europa und der Stier

Eine Komödie in 5 Akten

Der Entstehungsmythos Europas beruht auf der Geschichte einer gewaltsamen Entführung und Vergewaltigung der Prinzessin Europa aus dem Nahen Osten durch den Göttervater Zeus. Diese Tragödie schreibe ich um zu einer ironischen Komödie, in der nicht Zeus, sondern Europa die Handlung bestimmt.

 

Assemblagen, angelehnt an indischen „Kavaads;
Holz, diverse Materialien und Formate

Im Sommer 2024, nach einer überstandenen Lungenentzündung, bekommen die kurz zuvor in der Thaya gefundenen Flussmuscheln eine neue Bedeutung. Die verblüffende Ähnlichkeit von Lungenflügeln und den aufgeklappten Muscheln wird erst durch die Krankheit bewusst. So werden sie, in Kombination mit CT-Bildern des Thorax, zu einem Ersatzteillager für zukünftige Notfälle.

 

11 Teile, Flussmuscheln, Fäden, Holz, Plexiglas, CT-Ausdrucke;
17 x 17 x 4 cm

Der Blick vom Balkon der Unterkunft während des Arbeitsaufenthalts im Ram Chhatpar Shilp Nyas, Varanasi/Indien geht Richtung Osten, auf den Ganges. Die „Ganga, in Indien weiblich, fließt in der Trockenzeit träge und unmerklich. Die Ruhe wird nur durch Boote unterbrochen, die manchmal mit lauter Musik, den Fluss hinauf und hinabfahren.

 

Video, 34:22 Min.

Ein Votivherz aus Altötting ist die Gussform für die 287 Herzen aus handgeschöpftem Papier. Jedes Herz war einmal ein A4-Bogen Briefpapier, Briefe, von denen die meisten über 40 Jahre alt waren.

Sie sind nach all der Zeit ein letztes Mal gelesen und dann in eine neue Form transformiert worden, in Votivgaben an das Leben.

Die Farben variieren in zarten Tönen durch verschiedenes Briefpapier, verschiedene Tinten. Das Lesbare wird zerstört, was vom Original erhalten bleibt, sind ausgewählte kurze Phrasen, kleine Zeichnungen, liebevolle Worte, die bleiben sollen.

 

287 Teile, handgeschöpftes Papier, Zinn;
je 16 x 5 cm, Installation flexibel

2024
ausgewählte Arbeiten

Ausgangspunkt ist das Märchen von der „Stricklisel“, die ihr Leben lang andere versorgt, wärmt und bestrickt.

Der Text wurde in schmale Streifen zerschnitten. Diese Papierstreifen bilden, zusammengenäht mit einem roten Faden, das Material für ein letztes Gestrick. Dies hat keine Form, keine Funktion und es wärmt sicher nicht!

 

Baumwollgarn und Papier (geschnitten) und verstrickt;
ca 180 x 70 cm, Installation variabel

Mit Forchheim verbinden Kämmerer Rhein, Main, Donau und der Kanal. Selbst geboren in Mainz und die beiden Kinder in Forchheim und Fürth. Nun lebt sie seit fast 20 Jahren in Wien. Verbunden sind diese Orte durch das Wasser, das die Nordsee mit dem Schwarzen Meer verbindet. Die Flüsse und der Kanal verbinden Länder und Kulturen, sorgen für Austausch und kennen keine Grenzen.

Diese Verbindungslinie, von der Nordsee bis zum Schwarzen Meer, entsteht an der Wand des LuLi (ehemaliges Lichtspielhaus). Die Passant*innen sind aufgefordert an der Erstellung der Arbeit mitzuwirken. Mit Hilfe von Stricklieseln und dickem Garn entstehen Schläuche, die nach und nach das Drahtgestell umhüllen, das die Künstlerin an der Wand des LuLi installiert.

Pflanzen verändern sich, sie wachsen, sie verlieren Blätter, sie gehen ein ... Ihre Schatten sind größer als sie selber, eingefangen mit Glimmer auf zartem Papier

 

Glimmer (Muskovit) auf Japanpapier;
192 x 100 cm

Der Bosporus trennt Europa von Asien und die Stadt Istanbul in einen europäischen und einen asiatischen Teil. Eine willkürliche Festlegung, eine Stadt auf zwei Kontinenten, ein Ort der Begegnung und der Konfrontation. In der Arbeit „Bosporus 1" schieben sich die Karten der beiden Kontinente aus vielen Jahrhunderten gegeneinander, schmiegen sich aneinander an, wie Schuppen. In „Bosporus 2 und 3" schlingen sich die Ausschnitte der Wasserader ineinander und bilden ein unentwirrbares Geflecht.

 

Landkarten, ausgeschnitten geschichtet;
1 Teil 50 x 50 x 10 cm,
2 Teile 20 x 20 x 10 cm

2023
ausgewählte Arbeiten

Bei einem Aufenthalt in Istanbul finden Buchseiten aus einem Antiquariat mit gefundenen Kachelteilen vom Ufer der Prinzeninseln zusammen. Fliesen, in den Moscheen und Palästen Istanbuls allgegenwärtig werden vom Meer zu neuen Formen geschliffen und hinterlassen ihre Abdrücke auf Abbildungen der 36 Sultane des Osmanischen Reichs.

 

36 Blätter;  je 21 x 14 cm

Alte Fotoalben aus Familienbesitz enthalten vergilbte Fotos, die niemand mehr braucht. Sie bekommen tierischen Besuch und ein neues Leben. Es entstehen humorvolle, surreale oder beängstigende Szenarien, die sich in großen Installationen über Wände und im Raum ausbreiten können. 

 

Ca. 500 Privatfotos, vergilbt, collagiert mit Tierfotos aus Zeitschriften

Dieser Arbeit ging eine intensive Recherche in (Online)Archiven voraus, durch die die Mütterlinie der Künstlerin bis 1732 zurückverfolgt werden kann.

Die Collagen mit Glimmer auf Gaze, zeigen die (teils imaginierten) Schatten der Ur-Mütter und der Kinder von Rita Kämmerer. In Geburtsurkunden und Kirchenbuchauszügen wird die erste Erwähnung der Ahninnen dokumentiert und ihr Name mit rotem Garn gestickt. Jede Frau und die beiden Kinder bekommen ein Erinnerungstuch. Durch die Verknotung der losen Fadenenden entsteht eine Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart.

 

Gaze, Geburtsurkunden und Kirchenbuchauszüge, Schatten aus Biotit-Glimmer, bestickt;
10 Tücher á 55 x 100 cm

Schattenselbstportraits aus Glimmer auf Gaze 

 

3 Teile, Muskovit, gefärbt auf Wischgaze; 150 x 50 cm

 

 

2022
ausgewählte Arbeiten

Insgesamt 1260 Filmstills aus Amateurfilmen des Vaters, Josef Kämmerer, aus den Jahren 196173, werden auf Karteikarten geklebt und auf fünf Rollkarteien zusammengefasst. Die Filme werden in Einzelbilder zerlegt. Sie sind mit Textschnipseln aus Zeitungen versehen, kritische, ironische oder lustige Kommentare der Künstlerin zur eigenen Vergangenheit und der ihrer Familie.
Im Video sind Szenen mit Kindern der Familie und der Hausschlachtung eines Schweins kombiniert. Die Spannbreite an Normalität der 1960er Jahre auf dem Land, in Deutschland.
Die Listen ergänzen die Installation. Sie sind Verzeichnisse von Gegenständen, die in den Filmstils zu sehen sind, Zeugnisse der Zeit und der Perspektive des Vaters

 

1260 Filmstills aus Amateurfilmen von Josef Kämmerer (196173), 5 Rollkarteien, Textschnipsel, Video

Jahrelang gesammelte Schattenselbstportraits sind die Vorlagen für diese Arbeiten. Sie wurden realisiert mit Glimmerplättchen auf altem Chinapapier, das in der Transsibirischen Eisenbahn als Nasenputzpapier bereitlag. Transparenz und Dunkelheit, Stein und Papier ergänzen sich zu den Silhouetten.

 

Biotit auf Chinapapier, 20 x 27 cm

Fünf Dirndlblusen sind mit Cyanotypie-Flüssigkeit bespritzt und mit Wiesenblumen und dem Text des Liedes „Irgendwann“ von Julia Lachersdorfer bestickt. In diesem Lied schaut eine alte Bäuerin auf ihr hartes Leben zurück und wünscht sich den Tod herbei.

Wie die Blusen im Raum verspannt sind war auch das Leben der Frau, eingespannt in Vorstellungen und Zwänge, die nicht sie selbst bestimmt hat.

Cyanotypie und Stickerei auf fünf Dirndelblusen, mit Draht verspannt, Text: Julia Lachersdorfer, Installation variabel

Österreichische Briefmarken der eigenen Sammlung (vergrößert), Cyanotypie, bestickt mit Texten zur Verstrickung der „DirndlErneuerung“  (Gertrud Pesendorfer) mit der NSIdeologie,
blaues Seidendirndl

 

Installation variabel, je Blatt 30 x 42 cm

2021
ausgewählte Arbeiten

Papier, Tusche, Wachs auf Leinwand;

15 Teile, je 20 x 20 cm

Kreiselzeichnungen mit Pflanzenfarben und Beize auf Papier, mit Tusche überarbeitet;

diverse Formate

ZEIT-Ausschnitte, Cyanotypie, Tusche collagiert;

je 30 x 42 cm

32 Buchseiten aus „Die gute Einkehr“ von Ludwig Richter, koloriert mit Eitempera, collagiert;

je Blatt 18 x 26 cm

2020
ausgewählte Arbeiten

30 Postkarten, geschnitten, Latex;

je 10,5 x 14,8 cm, Installation variabel

Lichtdruck (Cyanotypie) auf Spuckbeutel der Lauda-Air;

25 Teile, je 12 x 24 cm

In 8 Tableaus werden Kindheitserinnerungen an „postkoloniale Reste“ wie Usambaraveilchen, das Brettspiel „Großwildjagd in Afrika“ und Bernhard Grzimeks Auftritte im Vorabendprogramm des deutschen Fernsehens verarbeitet. Sie schichten sich, zusammen mit historischen Darstellungen, Zahlen und Textquellen, zu Assemblagen. Jedes Tableau widmet sich einem eigenen Thema der historischen Verstrickungen der deutschen Kolonialgeschichte in Tansania, die bis heute gesellschaftlich nachwirken.

 

Holz, Landkarten, Zeichnung und Fotografie auf Folie, Fundstücke;
je 43 x 34 x 7 cm

Sieben Plastikkästchen mit Fingerhüten, original verpackt in Watte aus den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts, werden beschriftet mit den beliebtesten Mädchennamen aus dieser Zeit. Männliche Finger haben diese Teile sicherlich nie berührt.

 

Plastik, Watte, Karton, Metallfingerhüte, Zeitungsausschnitte;

je 10 x 10 x 2 cm

2019
ausgewählte Arbeiten

Fotos von kleinen Kapellen zum Totengedenken an griechischen Straßen sind die Vorlagen für die Arbeit „Schreine“. Fotos der Orte des Gedenkens, der Beschwörung „der Götter“ und Heiligen, denen Öl und Kerzen geopfert werden, um sie gnädig zu stimmen, werden wieder zu dreidimensionalen Häuschen, die ähnlich ausgestattet sind wie die griechischen Vorbilder. Es gibt Kerzen, Licht, Bilder/Ikonen und persönliche Erinnerungsstücke. Die in Griechenland oft verwaisten oder verwahrlosten Kapellchen, die an Vogelhäuschen in mitteleuropäischen Vorgärten erinnern, werden neu gefüllt und belebt mit eigenen Themen.

 

Assemblage, div. Materialien;
Größe variabel: 60 cm x 10 – 20 cm x 15 – 20 cm

Faksimile des Buches Frauenzimmer Gesprächspiele III. (Georg Philipp Harsdörffer) von 1644–57, Seidenfaden gestickt;

20 x 12 x 8 cm

Schmetterlinge stehen für Leichtigkeit, Bewegung, Zartheit und Fragilität. Sie sind schön, „Wunder der Natur“ und gleichzeitig bedroht und oft schon ausgerottet. Sie weichen den Zerstörungen des Menschen, der ihnen ihren Lebensraum nimmt.
Diese Schmetterlinge wurden getötet um sie zu erhalten, um Natur zu erklären. Sie sind in Plexiglas verpackt, ausgestellt, bestaunt, bewundert noch im Tod. Sie werden zum Objekt, abgeschlossen in einen leeren, sterilen Raum. Sie sind festgenagelt,  bewegungslos und vereinsamt. Tote Natur, schön und morbid.
In dieser Arbeit bekommen sie symbolisch ihre Lebensräume wieder, die Pflanzen, deren Blätter die jeweiligen Raupen fressen, deren Blüten die jeweiligen Arten besuchen.  Ein Versuch der Wiedergutmachung.

 

30 präparierte Schmetterlinge, Plexiglas, Papier;
Größe variabel, Plexiglas: 6,5 x 10,5 x 2,5 cm

2018
ausgewählte Arbeiten

Die Serie 8 Heimaten ist stark biografisch geprägt. Die Stadtpläne von den 8 Städten, in denen die Künstlerin mindestens ein Jahr gelebt hat, werden benutzt zum Schreiben des dreidimensionalen Wortes HEIMAT. Es handelt sich um die Stadtpläne der Städte Mainz, Jerusalem, Darmstadt, Kairo, Baiersdorf, Langen, Limburg und Wien.
Der Begriff Heimat wird von nationalistischen Gruppen vereinnahmt und meist im Singular benutzt. So als könnte jeder Mensch nur einen einzigen, mit positiven Emotionen behafteten Ort haben, an dem die Person sich heimisch und dem sie sich verbunden fühlt und als sei sie überall sonst auf der Welt fremd und damit auch ein Stück weit unerwünscht und bedroht. Heute leben aber nur noch wenige Menschen an dem Ort, an dem sie geboren und aufgewachsen sind. Viele haben an mehreren Orten gelebt. Sie haben von jedem ein Stück mitgenommen, haben neu angefangen und erinnern sich zurück. HEIMATen eben.

 

Karton, 8 Stadtpläne aus der Zeit des Aufenthalts am jeweiligen Ort, zerschnitten, sortiert, geklebt;

Installation variabel: 15–24 cm x 5–10 cm x 80–200 cm,

Der Glassturz, der vorher eine Kreuzigungsgruppe beherbergt hat ist nun Stütze und Hülle für die MRT-Bilder einer Wirbelsäule. Es sind keine Fingernägel, Knochen oder Zähne, wie im Text von Edmund de Waal beschrieben. Sie sind auch nicht mit Gold und Silber zusammengehalten. Die Spuren des Rückgrats sind auf Folie gezeichnet und durch Magnete zu einer Säule getürmt. Fragil, zart und durchscheinend.

 

Glas, Holz, Folie, Magnete, Text von Edmund de Waal über Reliquien: „Sie sind Obsession. Nimm dir einen Fingernagel, eine Wimper, einen Knochensplitter, einen Zahn und halte sie fest mittels Glas und Gold und Silber und Elfenbein und Gebet“